Licht und Wärme für alle

Licht in dunklen Zeiten

Um die ehrbaren Bewohner der Stadt Bremen zu schützen vor allerlei Gesindel, das nächtens innerhalb der Stadtmauern sein Unwesen trieb, sah sich der Senat gezwungen, ab etwa dem Jahr 1600 die Gassen der Stadt zu beleuchten. Verordnungen schrieben vor, dass jeder Bürger, der bei Dunkelheit die Straße betrat, eine Öllampe mitführen musste. Auf Plätzen und Kreuzungen wurden städtische Feuerbaken errichtet, die mit Holz als Fackeln ein wenig Licht verbreiteten. 100 Jahre später mit dem Aufkommen der Tranlampen fanden sich Bürger zusammen, die in ihrer Straße an Holzpfählen mit Tranlampen eine erste Straßenbeleuchtung installierten. Trotz Weiterentwicklung der Öle und Leuchten in den nächsten Jahrzehnten blieb es dunkel in den Städten.

Leuchtgas ersetzt Öl

1792 gelang es dem Schotten William Murdoch durch Destillation von Steinkohle, Teer, Holz und Torf ein brennbares Gas zu erzeugen und in Röhren zu verschiedenen Brennstellen zu leiten. Die technischen Grundlagen für die Erzeugung und Fortleitung von Gas zum Zwecke der Straßenbeleuchtung entwickelten sich und führten dazu, dass ab 1826 in Deutschlands größeren Städten immer mehr Gaswerke gebaut wurden und die Bürger in mit Gaskandelabern beleuchteten Straßen promenieren konnten.

Erstes Gaswerk an der Bürgerweide

Der bedächtige Bremer Senat ließ sich nach jahrelangen Prüfungen erst 1853 davon überzeugen, dass eine neue Gasbeleuchtung die Bremer Straßen erhellen sollte. 1854 nahm das erste Bremer Gaswerk hinter dem neu errichteten Hauptbahnhof seinen Betrieb auf und belieferte 1100 neue Straßenlaternen und auch Privathaushalte mit Gas für die Beleuchtung.

Konkurrenz durch Elektrizität

Als im Jahr 1893 in unmittelbarer Nachbarschaft des Gaswerks das erste Bremer Elektrizitätswerk in Betrieb ging, führte das zu einem starken Rückgang des Gasverbrauchs für die Beleuchtung. Die elektrische Straßenbeleuchtung setzte sich durch, ohne dass der Gasverbrauch aber dauerhaft zurückging. Ab 1895 stieg der Absatz durch die Abgabe von Heiz- und Kraftgas wieder an. Das Gasrohrnetz hatte inzwischen eine Länge von 200 km.

Gaswerk in Woltmershausen

Ab 1902 belieferte das neue Gaswerk in Woltmershausen das immer größer werdende Rohrnetz und die steigende Zahl an Abnehmern. Ein Mitteldrucknetz verbesserte die Versorgungsqualität, die Norddeutsche Hütte lieferte ab 1930 das Gas, das bei der Koksherstellung anfiel, an die „Bremischen Erleuchtungs- und Wasserwerke“, die es in das Versorgungsnetz einspeiste. Abgenommen wurde das Gas kaum noch für Beleuchtungszwecke, sondern zum Heizen und um die Industrie mit Prozeßwärme zu versorgen.

Neues Gas, neue Technik

Die Gaserzeugungsanlagen mussten sich Anfang der sechziger Jahre der Konkurrenz des Erdgases stellen. Die unwirtschaftlich gewordenen Anlagen in Woltmershausen wurden 1964 stillgelegt und durch den Bezug von Erdgas ersetzt. Das Versorgungsnetz musste an das neue Gas angepasst werden. Die Umstellung war 1972 abgeschlossen. In unserer Ausstellung wird die heutige Gasversorgungstechnik anschaulich gemacht. Besuchen Sie uns.